Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Sachsen e. V.

Ghost Bike an der Staatsstraße

Ein Ghostbike mahnt an der Staatsstraße 81 bei Moritzburg. © Konrad Krause / ADFC

Sicherheit ist kein Zufall, sondern Ergebnis guter Infrastruktur

Angesichts der aktuell steigenden Zahl von Fahrradunfällen warnt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen davor, die Schuld einseitig bei den Radfahrenden zu suchen.

Stattdessen fordert der Verein ein Umdenken in der Verkehrspolitik hin zu einer Infrastruktur, die Fehler verzeiht und Menschen schützt. „Wir dürfen die Verantwortung nicht länger allein auf die Unfallopfer abwälzen“, betont Janek Mücksch, Vorsitzender des ADFC Sachsen. „Die Daten des Statistischen Landesamtes sprechen eine deutliche Sprache: Bei Unfällen zwischen Autos und Fahrrädern tragen Radfahrende nur in drei von zehn Fällen die Hauptschuld. Dass die Unfallzahlen insgesamt steigen, ist auch eine Folge des positiven Trends, dass immer mehr Menschen das Rad für immer längere Wege nutzen. Doch die Infrastruktur in Sachsen hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt.“

Angst um die Kleinsten: Schulwege als Gradmesser

Ein besonderes Anliegen ist dem ADFC die Sicherheit der jüngsten Verkehrsteilnehmer. „Unser Ziel ist es, dass Eltern sich wieder trauen, ihre Kinder allein mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen“, so Mücksch weiter. „Aktuell erleben wir jedoch das Gegenteil: Aus berechtigter Angst um die Sicherheit ihrer Kinder verzichten viele Familien darauf. Ein Schulweg darf kein riskanter Hindernisparcours sein. Wenn Eltern sich gezwungen fühlen, ihre Kinder mit dem Auto bis vor das Schultor zu bringen, ist das ein klares Zeichen für das Scheitern der aktuellen Verkehrsplanung.“

Auch für ältere Menschen ist es schwieriger, die Mängel im Radwegenetz auszugleichen und an Kreuzungen schnell zu reagieren, wenn Autofahrer ihnen die Vorfahrt nehmen. Doch genau dieser Gruppe ermöglicht das E-Bike neue selbständige Mobilität. „Statt den Bau sicherer Radwege auszubremsen und auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben, ist die Politik gefordert, die Infrastruktur so auszubauen, dass sie für alle Altersgruppen funktioniert. Die politischen Entscheidungsträger, die schon seit Jahren immer wieder die notwendigen Mittel für den Radwegebau nicht freigeben, tragen Mitverantwortung für die vielen unnötig schwer verletzten und getöteten Radfahrer in Sachsen.“, sagt der ADFC-Vorsitzende. Seit Jahren schiebt der Freistaat Sachsen baureife Radwegprojekte vor sich her. Weil die Finanzierung nicht steht, kann der Freistaat Radwegprojekte an Staatsstraßen mit einer Gesamtlänge von über 35 Kilometern nicht beginnen.

Der ADFC Sachsen formuliert angesichts der Lage drei Kernforderungen:

1. Schluss mit der Täter-Opfer-Umkehr

Der Fokus der öffentlichen Debatte muss sich verschieben. Da Radfahrende in der Mehrzahl der Kollisionen mit Pkw nicht die Hauptverursacher sind, greifen Appelle zur Eigenverantwortung und ein paar Polizeikontrollen von Radfahrenden zu kurz. Die Zunahme der zurückgelegten Wegestrecken führt statistisch zu einer höheren Exponiertheit, der nur durch den Ausbau sicherer Radwege begegnet werden kann.

2. Mehr Verkehrskontrollen gegen Raser

Sicherheit entsteht durch die Einhaltung von Regeln. „Ziel muss es sein, Unfälle proaktiv zu vermeiden“, so Mücksch. „Dafür muss die Polizei deutlich öfter Raser kontrollieren und aus dem Verkehr ziehen. Es ist alarmierend, dass die Zahl der polizeilichen Kontrollen in Sachsen in den letzten 20 Jahren um zwei Drittel gekürzt wurde.“ Seit 2020 dürfen LKW nur in Schrittgeschwindigkeit abbiegen. Diese Regelung wurde eingeführt, um schwere und oft tödliche Unfälle zu verhindern. Dem ADFC ist nicht bekannt, dass die Polizei dies kontrollieren würde. Der ADFC fordert zudem Tempo 30 innerorts, besonders an Schulwege und wo sichere Radwege fehlen. Dies entspricht der Umsetzung des geltenden Rechts. 

3. Radwege-Boost und Entschärfung von Unfallstellen

Die Priorität der Verkehrsplanung lag in Sachsen über 30 Jahre lang fast ausschließlich darauf, das Autofahren komfortabler zu machen. Das Resultat ist eine oft untaugliche oder komplett fehlende Radinfrastruktur. Auch aktuell weigert sich die Politik immer wieder, dringend benötigte Lückenschlüsse im Radwegenetz zu stopfen, wie zum Beispiel zu den Mikroelektronikstandorten im Dresdner Norden oder an zahlreichen Staatsstraßen in Sachsen. Aktuell sind nur etwa 17 % der sächsischen Staats- und Bundesstraßen mit Radwegen ausgestattet. Der ADFC fordert einen Radwege-Boost sowie die Beseitigung gefährlicher Stellen, damit Radfahren für alle Altersgruppen angstfrei möglich wird.

„Drei von vier Sachsen fühlen sich auf dem Rad gefährdet. Dieses Unsicherheitsgefühl ist der größte Bremsklotz für sicheren Verkehr in der Stadt“, erklärt Janek Mücksch abschließend. „Sachsen braucht jetzt mehr Geld, mehr Personal in den Planungsbehörden und vor allem den politischen Willen, die 'Vision Zero' – das Ziel von null Verkehrstoten – zur obersten Leitlinie zu machen.“

Über den ADFC Sachsen

Der ADFC Sachsen e. V. ist mit über 10.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung für Radfahrerinnen und Radfahrer im Freistaat Sachsen. Er setzt sich für eine vernünftige Verkehrspolitik ein und unterstützt seine Mitglieder mit Serviceangeboten rund um das Fahrrad.


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