Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Sachsen e. V.

Ein Desiro-Dieseltriebwagen von Trilex in Dresden

Ein Desiro-Dieseltriebwagen von Trilex

Radverbot zwischen Dresden und Bischofswerda: Schnelle Alternative statt Verbote

Einschränkung der Fahrradmitnahme schadet Pendlern und Tourismus gleichermaßen / ADFC mit Maßnahmenkatalog

Seit heute schränkt der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) wegen eines akuten Mangels an Fahrzeugen die Fahrradmitnahme in den Regionalzügen zwischen Dresden und Bischofswerda zeitlich ein. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen kritisiert diese Maßnahme scharf. Das pauschale Verbot greife zu kurz, behindere Pendler und füge dem regionalen Radtourismus in der Oberlausitz massiven Schaden zu.

„Ein funktionierendes und attraktives Angebot ist das Fundament dafür, dass Menschen ihre Mobilitätsentscheidung frei treffen können. Fahrräder jetzt aus dem Regionalexpress auszusperren, ist jedenfalls der völlig falsche Weg und ein Rückschritt für die gesamte Region. Das ist Verbotskultur ohne Sinn und Verstand“ sagt Janek Mücksch, der Vorsitzende des ADFC Sachsen.

„Die verhängte Sperrzeit ist ein enormes Problem. Sie trifft nicht nur Pendler zwischen Bischofswerda und Dresden, sondern versetzt vor allem dem Radtourismus in der Oberlausitz einen schweren Schlag. Uns ist bewusst, dass die Gründe für die Überlastung der Züge vielschichtig sind und sich vielleicht nicht von heute auf morgen lösen lassen. Aber Fahrräder einfach stumpf auszuschließen, ist ein Offenbarungseid. Es richtet immensen wirtschaftlichen und touristischen Schaden an.“ ergänzt Mücksch.

Nach Ansicht des ADFC Sachsen zeigt die aktuelle Krise, dass der Schienenpersonennahverkehr zwischen Dresden und Bautzen unzureichend auf den anhaltenden Erfolg des Deutschlandtickets und die steigenden Kraftstoffpreise vorbereitet ist. Der ADFC bedauert sehr, dass Radreisende kurzfristig vor vollendete Tatsachsen gestellt werden und Fachverbände nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen wurden. Um den Kollaps des multimodalen Verkehrs zu verhindern und den Fahrgästen eine verlässliche Mobilität zu bieten, fordert der Verein ein sofortiges Umdenken und legt einen konkreten Forderungskatalog vor.
 

Sofortmaßnahmen: Schnelle Lösungen für Tourismus und Pendler

Da die technischen Probleme an den Triebwagen kurzfristig nicht behoben werden können, müssen umgehend alternative Angebote geschaffen werden, um den Ausschluss abzufedern. Neben der kurzfristigen Anmietung lokbespannter Züge mit Doppelstockwagen ist dies insbesondere:

  • Für den Radtourismus: Die Einführung von Reservierungsmöglichkeiten für eine begrenzte Anzahl an Fahrrädern – analog zum Fernverkehr. Der ADFC erwartet vom VVO, dass er die Mitnahme nicht einfach streicht, sondern zeitnah technische Lösungen implementiert, die Radreisenden eine verlässliche Planung ermöglichen.
  • Für Pendler: Eine sofortige Preisreduzierung für die Nutzung der Sammelschließanlage in Bautzen sowie der Fahrradboxen in Radeberg, um das diebstahlsichere Abstellen am Bahnhof attraktiver zu machen. Zudem muss die Kapazität der Fahrradständer am Knotenpunkt Arnsdorf kurzfristig erweitert werden.

Um die Züge dauerhaft von der Fahrradmitnahme zu entlasten, ohne Menschen vom Umstieg auf die Schiene abzuhalten, fordert der ADFC Sachsen eine strategischere Herangehensweise der Verantwortlichen bei der Verknüpfung von Bahn und Rad. Unter anderem:

  • Massiver Ausbau der Fahrradabstellanlagen: Nur wenn Bahnhöfe sichere Abstellmöglichkeiten bieten, lassen Pendler ihr Rad am Startbahnhof zurück. Aktuell ist der Zustand desolat: Die Anlagen in Bischofswerda und Löbau wurden vom ADFC mit der Note 5 bewertet. Löbau verfügt bei rund 1.000 Einsteigern täglich über gerade einmal 11 diebstahlsichere Stellplätze; in Breitendorf gibt es überhaupt keine. Auch in Arnsdorf besteht dringender Erweiterungsbedarf.
  • Integration des erfolgreichen Mobibike-Systems in das Deutschlandticket: Ein Großteil der Reisenden nach Dresden würde nicht auf die Mitnahme des eigenen Fahrrads im Zug angewiesen sein, wenn am Zielbahnhof unkompliziert Leihräder zur Verfügung stünden. Ein im Ticket integriertes Angebot – zum Beispiel 30 Freiminuten für Abo-Kunden – würde hierfür den entscheidenden Anreiz bieten. In anderen Verkehrsverbünden ist das schon heute Realität (Köln (KVB), Bremen (BSAG), Dortmund (VRR)).
  • Sachgerechte Ausfinanzierung des Deutschlandtickets: Der Bund hat mit dem Deutschlandticket ein attraktives ÖPNV-Angebot auf die Beine gestellt, das zahlreiche Neukunden auf die Schiene gebracht hat. Nach Zahlen des ADFC hat die Nutzung von Regionalzügen seit 2019 um 29% zugenommen. Die Finanzierung des ÖPNV jedoch ist nicht im gleichen Maß angewachsen, ganz zu schweigen vom Fahrzeugmaterial. Für ein attraktives Angebot muss der Bund endlich die Finanzierung des ÖPNV gewährleisten. Hierzu stehen auch die sächsischen Abgeordneten in Berlin in der Verantwortung.

Ursprüngliche Meldung des VVO: https://www.vvo-online.de/de/aktuelles/news/Trilex-10113.cshtml


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