Ghost Bike an der Staatsstraße

Ein Ghostbike mahnt an der Staatsstraße 81 bei Moritzburg. © Konrad Krause / ADFC

Nach tödlichem Unfall auf Staatsstraße: ADFC fordert Radweg an der S 91

Nach dem Unfall auf der Staatsstraße 91 zwischen Folbern und Kalkreuth, bei dem am Wochenende ein 18-jähriger Radfahrer getötet wurde, zieht der ADFC die Sächsische Staatsregierung zur Verantwortung.

Konrad Krause, Geschäftsführer des Fahrradclubs findet deutliche Worte: "Die Anwohner vor Ort sind in den letzten 20 Jahren nicht müde geworden, forderten immer wieder den Bau eines Radwegs. Die Sächsische Staatsregierung hat jede neue Bitte der Gemeinden um einen Radweg abgewiegelt. Es ist für mich keine Frage: Sachsens Verkehrsminister trägt eine Mitverantwortung für diesen unnötigen Unfall."

Der ADFC ist überzeugt, dass der Radwegebau in Sachsen nur dann an Fahrt gewinnen wird, wenn die Sächsische Staatsregierung sowohl bei den Investitionen im Haushalt als auch beim Planungspersonal deutlich aufstockt. "Der Ausbau des Radwegenetzes ist dringend nötig. Ich habe manchmal den Eindruck, dass viele Verantwortliche ihn für einen netten, aber unnötigen Luxus halten." Die jahrelange Untätigkeit des Freistaats räche sich immer wieder mit solchen dramatischen Unfällen. "Wo ein Radweg nicht schnell realisierbar ist, muss zur Sicherheit des Radverkehrs die zulässige Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt werden" fordert der ADFC-Geschäftsführer. Die S 91 zwischen Folbern und Kalkreuth ist für 100 km/h Höchstgeschwindigkeit freigegeben.

Seit vielen Jahre fordern die Anwohner von Folbern und Kalkreuth sowie die Stadt Großenhain einen Radweg an der S 91. Bereits mehr als 20 Jahre sind vergangen, seit der Großenhainer Stadtrat den Freistaat zum Bau des Radwegs an dieser Strecke aufforderte. Auch als die Sächsische Staatsregierung 2013 die Radverkehrskonzeption ausarbeitete, meldete Großenhain Bedarf für einen Radweg auf diesem Abschnitt an. Doch Großenhains Forderungen blieben ohne Erfolg. Immer wieder lehnte es der Freistaat ab, zwischen Kalkreuth und Großenhain parallel zur S 91 einen Radweg zu errichten.

Beim Ausbau der S 91 zwischen Kalkreuth und Folbern brachten die Betroffenen schließlich die Forderung nach einem Radweg wieder auf. Das LASuV Meißen startete 2016 den 4,5 Mio. Euro teuren Ausbau der Straße - jedoch ohne den geforderten Radweg. Der Leiter der Meißner Niederlassung des Landesamts ließ sich 2018 mit der Aussage zitieren, dass neue Radwege hintenanstehen.

Dies bleibt nicht ohne Folgen. Immer wieder kommen auf Sachsens Straßen Menschen mit dem Rad ums Leben, weil sichere Radwege fehlen. Ende 2018 starb ein Radfahrer bei einem schweren Verkehrsunfall auf der S 81 bei Auer, keine 15 Kilometer entfernt. Auch auf dieser Strecke hatte der Freistaat sich beim Ausbau der Straße um den Bau des Radwegs gedrückt. Bis heute ist die Strecke nicht entschärft. Stattdessen mahnen Schilder zu rücksichtsvoller Fahrweise. "Ob dies die Straße wirklich sicher macht, daran habe ich ernsthafte Zweifel" sagt Krause abschließend.

Hintergrund

Der Radwegebau in Sachsen stagniert insgesamt: Nur etwa 17% der sächsischen Staats- und Bundesstraßen sind bisher mit einem Radweg ausgestattet. Dabei will Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig bis 2025 noch fast 500 Kilometer Radweg an Staats- und Bundesstraßen von höchster Priorität fertigstellen. Das entspricht über 100 Kilometer Radweg pro Jahr. Dass dieses Ziel noch zu erreichen ist, glaubt in Fachkreisen niemand mehr. Denn der Radwegebau an Sachsens Staats- und Bundesstraßen kommt bisher nur sehr schleppend voran.

Auch Sachsens schwarz-grün-rote Regierung hat sich Ende 2019 noch einmal ausdrücklich vorgenommen, Bedingungen zu schaffen, damit sich der Radverkehr im Freistaat bis 2025 verdoppelt. Bisher sieht es aber nicht so aus, als dass der Radwegebau an Bundesstraßen durch diese Absichtserklärung nun Fahrt aufnehmen würde.

Auch der Sächsische Landesrechnungshof kritisierte erst kürzlich das langsame Tempo beim Radwegeausbau in Sachsen. In seinem aktuellen Bericht stellt er fest, dass die Zielvorgaben der Radverkehrskonzeption von 2014 nicht im Einklang mit den tatsächlichen Kapazitäten und den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln stünden.

Weiterführende Informationen

Radweg zwischen Kalkreuth und Großenhain?, Sächsische Zeitung vom 25.06.2002

Für das Zitat von Holger Wohsmann (LASuV): B 170 wird frühestens 2019 umgebaut, Sächsische Zeitung vom 25.04.2018

Bericht des Sächsischen Rechnungshofs zum Radwegebau in Sachsen: https://www.rechnungshof.sachsen.de/JB2023_B1_Radwegebau.pdf


https://sachsen.adfc.de/pressemitteilung/nach-toedlichem-unfall-auf-staatsstrasse-adfc-fordert-radweg-an-der-s-91

Häufige Fragen

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    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich für eine fahrradfreundliche Verkehrspolitik und bessere Infrastruktur für alle Radfahrer*innen ein. Der Verband ist dabei von der örtlichen bis zur Bundespolitik auf allen Ebenen aktiv. In Sachsen engagiert sich der ADFC als verkehrspolitische Interessenvertretung von über 9.000 Mitgliedern und 10 Ortsgruppen und bietet Touren und Beratung rund um Fahrrad an. Der ADFC setzt sich dafür ein, dass sich auf unseren Straßen vom Kind bis zur Omi alle sicher fühlen können, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. Die Verkehrssicherheit für Radfahrende zu erhöhen, ist ein zentrales Anliegen des ADFC, auch weil dadurch die Nutzung des Fahrrads als umweltfreundliches und gesundes Verkehrsmittel gefördert wird.

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass man auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen wird. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls Pflicht. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorn und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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