Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Sachsen e. V.

Besonders in Sachsens Großstädten: Rad-Diebstahl hat Hochkonjunktur

Der Diebstahl von Fahrrädern hat in Sachsen in den letzten Jahren stark zugenommen. Wie die aktuellen Zahlen des LKA Sachsen zeigen, werden besonders in den sächsischen Großstädten immer mehr Fahrräder gestohlen.

Das wird nichts! Schlössern dieser Güte muss man schon mit einem Winkelschleifer zu Leibe rücken, um etwas zu erreichen. Mit dem Bolzenschneider knackt man nur einfache Schlossbügel.
Mit dem Bolzenschneider knackt man nur einfache Schlossbügel. © ADFC

In Leipzig, wo die Zahl der Rad-Diebstähle schon länger hoch ist, wurden 2014 fast 7000 Diebstähle gemeldet - eine Steigerung um 68% in fünf Jahren. Auch in Dresden hat der Fahrraddiebstahl Hochkonjunktur. Hier wurden im letzten Jahr zwar 1000 Räder weniger geklaut als in der Messestadt, hier hat der Fahrraddiebstahl während der letzten fünf Jahre allerdings um schwindelerregende 120% zugenommen.

In den sächsischen Landkreisen ist eine derart deutliche Steigerung über die letzten Jahre nicht zu erkennen. Auch die absoluten Diebstahlzahlen liegen deutlich unter dem Niveau der Großstädte. Ebenso ist Chemnitz von den Fallzahlen der beiden größten sächsischen Städte noch weit entfernt. Sachsenweit wurden im letzten Jahr 21.500 Fahrräder gestohlen, das ist eine Steigerung um 54% im Vergleich zu 2010.

Die Aufklärungsquote liegt mit 13,9% der Fälle auf einem niedrigem Niveau. Allerdings ist dies im deutschen Vergleich beim Fahrraddiebstahl beileibe nicht der schlechteste Wert. Im deutschen Durchschnitt lag die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen letztens wiederholt unter 10%.

Selbstverständlich ist diese Entwicklung extrem. Der zunehmende Fahrraddiebstahl lässt sich auch als ein Anhaltspunkt für die Zunahme des Radverkehrs interpretieren: In Städten, wo mehr Leute radfahren, werden auch mehr Fahrräder geklaut.

Das ist freilich keine Antwort, mit der der ADFC sich zufrieden geben kann. Schließlich gibt es nicht nur in Sachsen seit einigen Jahren einen starken Trend zum Fahrrad. Bundesweit aber geht der Fahrraddiebstahl leicht zurück.

Was tun gegen Fahrraddiebstahl?

Lösungsansätze gibt es mehrere und am sinnvollsten erscheint es, wenn von allen gleichermaßen Gebrauch gemacht wird. Zu jedem Fahrrad gehört ein ordentliches Schloss. Wir empfehlen, 10% des Kaufpreises in die Sicherheit des Fahrrads zu investieren (Fahrradschloss, Pitlock, Versicherung etc.). Die ADFC-Ortsgruppen in Dresden, Bautzen, Görlitz und Zittau bieten darüber hinaus als weiteren Baustein der Abschreckung eine Fahrradcodierung an.

Selbstverständlich ist die Polizei zuständig, wenn es um Fahrraddiebstahl geht. Zuerst ist hier mehr Personal gefordert - diesem Ziel läuft die "Polizeireform" in Sachsen geradewegs entgegen. Daneben wären aber auch zeitgemäße Ermittlungsmethoden hilfreich, wie etwa die in den Niederlanden praktizierte Verfolgung von Fahrraddieben mittels GPS-Sendern in Lockfahrrädern. Derartige, innovative Ermittlungsmethoden sind in Sachsen bisher nicht geplant. Sie könnten aber geeignet sein, um endlich die Aufklärungsquote beim Fahrraddiebstahl zu steigern.

Ein weiterer bedeutender Akteur für mehr Sicherheit vor Fahrraddiebstahl sind die Planer. Sie haben vielfältige Möglichkeiten, diebstahlsicher(er)e Infrastruktur zu implementieren: Vom vollautomatischen Fahrradparkhaus über abschließbare Parkboxen bis hin zum einfachen Fahrradbügel, an dem man den Fahrradrahmen sicher anschließen kann. Nur sind sich Architekten, Stadtplaner und Verkehrsingenieure ihrer Verantwortung in Sachen Diebstahlvermeidung von Fahrrädern selten bewusst. Auch so mancher Verkehrspolitiker kann mit dem Fahrraddiebstahl als dringendes Handlungsfeld bisher noch nicht viel anfangen.

Ein wichtiges Anliegen bei der Arbeit des ADFC vor Ort besteht deshalb darin, Planer, Kommunalpolitiker und andere Entscheider davon zu überzeugen, nicht nur an einigen Hot Spots, sondern an jeder Ecke in der Stadt, Radfahrern ein sicheres Angebot zum Parken zu machen. Dabei haben wir nicht nur das Ziel im Blick, dass mehr Menschen ihre Wege mit dem Rad zurücklegen und sich keine Gedanken über Fahrraddiebstahl machen müssen. Sicheres Fahrradparken ist auch ein Baustein erfolgreicher Kriminalprävention. Denn 21.500 gestohlene Räder allein in Sachsen sind kein Pappenstiel.

  20072008200920102011201220132014
Dresden23341899224327133348398855145985
Leipzig45604296400141174574606765026933
Chemnitz5645306936726538149151050
LK Bautzen141513971034104610421145977854
Erzgebirgskreis208188159205240275252257
LK Görlitz11261295147712571413204216311655
LK Leipzig115810858799048021134970966
LK Meißen1025814592631708977795813
LK Mittelsachsen545413380356339587459431
LK Nordsachsen119910287947287821154900951
LK Sächs.Schweiz355415334442431435485567
Vogtlandkreis191196153245284373286249
LK Zwickau562488473596603837658788
Sachsen1524414044132121392815221198282034621500
Aufgeklärte Fälle18941502132614011662247028332991
Aufklärungsquote12,4%10,7%10,0%10,1%10,9%12,5%13,9%13,9%
https://sachsen.adfc.de/neuigkeit/besonders-in-sachsens-grossstaedten-rad-diebstahl-hat-hochkonjunktur

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