Radfahren Gruppe Illustration

Radfahren Gruppe Illustration © ADFC | april agentur

ADFC empfiehlt: Mit dem Rad zur Schule

Viele Eltern stellen sich die Frage, ob sie ihre Kinder alleine mit dem Fahrrad zur Grundschule fahren lassen sollen. Der ADFC gibt Tipps zum Schulweg mit dem Rad.

Sie sind verunsichert: Sei es, weil andere Eltern ihren Nachwuchs mit dem Auto bringen, weil der Schulweg nicht sicher ist oder weil die Schulleitung es nicht gern sieht, wenn Schüler mit Rad zur Schule kommen. Der ADFC empfiehlt Eltern, mit ihren Kindern schon früh den Weg mit dem Rad zur Schule zu üben.

Radfahrverbote gelten nicht

Manchmal kommt es vor, dass die Schulleitung Kindern verbietet, mit dem Rad zur Schule zu fahren, weil sie noch keine Radfahrausbildung absolviert haben. Diese endet meistens mit einer Prüfung. Den Wert der Radfahrausbildung sollte man allerdings nicht überschätzen: „Eine erfolgreich absolvierte Prüfung allein ist kein Garant für einen sicheren Schulweg. Was Kinder wirklich brauchen ist Erfahrung im Straßenverkehr und ein Mindestmaß an Routine auf dem Rad.“ ist Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen überzeugt.

Rein rechtlich ist die Situation eindeutig: „Schulen dürfen keine Radfahrverbote aussprechen. Die Radfahrprüfung ist keine vorgeschriebene Erlaubnis zum Fahren eines Fahrrads“, sagt ADFC-Rechtsreferent Roland Huhn. Ebenso wenig darf die Schule Kindern vorschreiben, einen Helm zu tragen. „Viele Eltern achten ohnehin darauf, dass ihr Kind einen Helm trägt. Der Helm muss aber auch richtig eingestellt und aufgesetzt werden“, so Huhn. Auch fehlende Fahrradständer auf dem Schulhof oder ein angeblich nicht vorhandener Versicherungsschutz sind vorgeschobene Argumente, mit denen Eltern immer wieder verunsichert werden, ihre Kinder mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen.

Doch Kinder sind auf ihrem Schulweg in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert, unabhängig von Alter und benutztem Verkehrsmittel. Gleichwohl bleiben Eltern auch auf dem Schulweg für ihr Kind verantwortlich und müssen dafür sorgen, dass es sein Rad beherrscht und die Verkehrsregeln beachtet. Gibt es an einer Schule tatsächlich ein „Radfahrverbot“, sollten Eltern und Schule versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Nicht immer sind die Warnungen der Schulen freilich völlig gegenstandslos: „Es gibt natürlich auch Schulen, in deren Umfeld die Verkehrsinfrastruktur so unsicher ist, dass sich Schulleitungen und Eltern zurecht ernste Gedanken um die Sicherheit der Schüler machen“, sagt Krause.

Elterntaxi ist auch keine Lösung

Wie gefährlich der Schulweg tatsächlich ist, lässt sich natürlich nur vor Ort erkunden. Starken Autoverkehr vor Schulen verursachen Eltern oft selbst, wenn sie ihr Kind mit dem Auto bringen. Sicherheitsbedürfnis, Zeitdruck am Morgen oder auch Bequemlichkeit lassen sie zum Autoschlüssel greifen. Nur selten ist die Länge des Wegs der Grund. Meistens ist der Schulweg für Grundschulkinder so kurz, dass sie diesen leicht zu Fuß oder mit dem Rad bewältigen können. Eltern können also zur Sicherheit vor Schulen selbst beitragen, wenn sie dort nicht Auto fahren.

Zudem können sie sich dafür einsetzen, dass die Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger auf den Schulwegen verbessert wird: Tempo 30-Zonen, Fußgängerampeln und Querungshilfen ermöglichen es nicht nur Kindern, sich im Straßenverkehr sicherer zu bewegen. „Das Elterntaxi ist auf jeden Fall keine Lösung, denn Kinder verunglücken nicht nur auf dem Schulweg. Die meisten schweren Unfälle erleiden Kinder, wenn sie im Auto transportiert werden“, sagt Krause. Es müsse deshalb darum gehen, Kinder für den Straßenverkehr fit zu machen und nicht darum, sie davon fernzuhalten.

Sicheres Radfahren im Straßenverkehr setzt viele Fähigkeiten voraus: Kinder müssen ihr Gleichgewicht halten, das Fahrrad abbremsen und den Bremsweg einschätzen können oder die Spur halten, wenn sie sich umschauen und die Hand zum Abbiegen ausstrecken. Sie müssen sich im Straßenverkehr orientieren können, Verkehrssituationen verstehen und vorausschauend denken. Mit dem Rad sind sie schneller unterwegs als zu Fuß, entsprechend schneller können sich Verkehrssituationen ändern. Wie weit ein Kind dazu schon in der Lage ist, können Eltern bei ihrem Nachwuchs am besten selbst einschätzen.

Schwedische Studien aus den 1970er Jahren haben gezeigt, dass die Radfahrleistungen auch mit dem Alter zusammenhängen und bei Sieben- bis Achtjährigen sprunghaft ansteigen. Aufgrund dieser Studien dürfen Kinder unter acht Jahren in Deutschland nur auf dem Gehweg – soweit vorhanden – Rad fahren, und bis zum zehnten Lebensjahr ist es ihnen weiterhin erlaubt. „Der Gesetzgeber sieht also durchaus vor, dass Kinder ab diesem Alter am Straßenverkehr teilnehmen; sie sollen nur möglichst noch nicht auf der Fahrbahn fahren“, sagt Rechtsexperte Roland Huhn.

Früh übt sich

Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Grundschulkinder der ersten und zweiten Klasse vom konsequenten Radfahrtraining besonders profitieren und im Schonraum schnell lernen, ihr Fahrrad sicher zu beherrschen. Ein Kind, das sein Fahrrad beherrscht, kann sich besser auf den Straßenverkehr konzentrieren. Daher empfiehlt der ADFC, dass Eltern mit ihren Kindern das Radfahren üben. Je eher sie damit anfangen, desto besser gelingt es, die Radfahrkompetenz der Kinder auszubilden.

Kindern im Grundschulalter fällt es jedoch schwer, eine Situation aus dem Schonraum direkt auf den realen Straßenverkehr zu übertragen. Deshalb sollten Eltern mit ihren Kindern auch die Alltagswege üben, die zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt werden – egal ob zur Schule, zum Sportverein oder zu Freunden. Konkreter Weg, konkrete Situationen: Wo liegen potenzielle Gefahren, wo lässt sich am besten die Straße queren, wie verhalten sie sich am Zebrastreifen richtig? Das können Eltern ihren Kindern zeigen.

„Das Bewusstsein für Verkehrsabläufe und Gefahren muss bei Kindern geschärft werden“, sagt Krause. Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern die Wege trainieren und sie darauf aufmerksam machen, wo sie mit Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer rechnen müssen. Beispielsweise können sie ihnen zeigen, wo Autofahrer geradeaus fahrenden Radfahrern beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt nehmen können – selbst dann, wenn die Ampel für Radfahrer grün zeigt.

Meistert das Kind den eingeübten Schulweg auch, wenn die Eltern Abstand halten und es nur beobachten, sollte es auch allein fahren dürfen, wenn es das möchte und wenn das „Bauchgefühl“ der Eltern damit einverstanden ist. Den Nachwuchs gelegentlich mal wieder zu begleiten, kann sicher nicht schaden. Entscheidend ist immer die Situation vor Ort: Welche potenziellen Gefahren birgt der Schulweg? Kommt das Kind mit den Verkehrssituationen zurecht?

Sicher ist: Aus kleinen Kindern werden große, und spätestens dann müssen Eltern sie allein gehen und fahren lassen. Besser, wenn der Nachwuchs schon vorher gelernt hat, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden und mit Gefahrensituationen umzugehen.

https://sachsen.adfc.de/artikel/adfc-empfiehlt-mit-dem-rad-zur-schule-1

Häufige Fragen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich für eine fahrradfreundliche Verkehrspolitik und bessere Infrastruktur für alle Radfahrer*innen ein. Der Verband ist dabei von der örtlichen bis zur Bundespolitik auf allen Ebenen aktiv. In Sachsen engagiert sich der ADFC als verkehrspolitische Interessenvertretung von über 9.000 Mitgliedern und 10 Ortsgruppen und bietet Touren und Beratung rund um Fahrrad an. Der ADFC setzt sich dafür ein, dass sich auf unseren Straßen vom Kind bis zur Omi alle sicher fühlen können, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. Die Verkehrssicherheit für Radfahrende zu erhöhen, ist ein zentrales Anliegen des ADFC, auch weil dadurch die Nutzung des Fahrrads als umweltfreundliches und gesundes Verkehrsmittel gefördert wird.

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  • Wie funktioniert die ADFC-Pannenhilfe?

    Mehreren Hundert Radfahrerinnen und Radfahrern pro Jahr hilft der ADFC mit seiner Pannenhilfe. Die ADFC-Pannenhilfe ist ein exklusiver Service für unsere Mitglieder, der im Mitgliedsbeitrag enthalten ist. Als Mitglied im ADFC bekommen bei einer Fahrradpanne im Alltag, in der Freizeit oder auf Reisen schnell und unkompliziert Unterstützung. Haben Sie eine Panne, so können Sie einfach unsere Pannen-Hotline anrufen und teilen uns das Problem an ihrem Rad mit mit sowie den Ort, an dem Sie sich befinden. Mit diesen Informationen macht sich ein mobiler Pannenhelfer auf den Weg.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

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  • Wie kann ich im ADFC aktiv werden und mich engagieren?

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  • Ich plane eine Radtour. Was empfiehlt der ADFC?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass man auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen wird. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls Pflicht. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorn und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Wo finde ich den vom ADFC empfohlenen Musterkaufvertrag für Fahrräder?

    Ganz gleich, für welches Fahrrad Sie sich entscheiden: Ein schriftlicher Kaufvertrag kann vor dem Hintergrund eventueller Reklamationsansprüche oder sonstiger Gewährleistungsfragen hilfreich sein. Das gilt umso mehr, wenn Sie sich für ein Gebrauchtrad entscheiden sollten. Deshalb haben wir hier eine Vorlage für einen Musterkaufvertrag für Gebrauchträder zusammengestellt, die Ihnen helfen kann, böse Überraschungen zu vermeiden.

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